Auch wenn ich sehr kaelteresistent bin, in Anbetracht unseres letzten extrem Winters, moechte ich (dem Klimawandel zum Trotz) lieber geruestet sein: Deswegen entschied ich mich heute Mittag fuer die Investition meines hart erarbeiteten Geldes in eine Huelle, gemischt aus Schurwolle, Polyester und Kaschmir.
Richtig. Wie schon im Titel erwaehnt, ich wollte mir einen neuen Mantel kaufen. Ich verfuege auf diesem Gebiet ja schon ueber Erfahrung, in Form von zwei Vorgaengermodellen. Zugegeben, der letzte Einkauf verlief nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nachdem ich dutzende Maentel probiert hatte, fuehlte ich mich in einem sofort wohl. Hat perfekt gepasst und war nicht nervig. Ich musste dann kurz darauf feststellen, dass ich diesen Mantel schon ein Mal zuvor gekauft hatte…
So etwas sollte nicht wieder passieren. Im Mantelgeschaeft meines Vertrauens, mache ich mich dann auch gleich auf die Suche. Nach einer Stunde, hatte ich saemtliche Maentel anprobiert und musste enttaeuscht feststellen, dass wirklich keiner gut passt. Erschwerend kam hinzu, dass ich nicht wieder einen Mantel mit V-Ausschnitt haben wollte, der fuer Erkaeltungen ja geradezu einladend ist.
Nun schrieb ich meinem Chef, der noch nicht in der Mittagspause war, dass er doch bitte sein Telefon auf sein Mobiltelefon umstellen soll, ich wuerde noch mit meinem Mantel kaempfen.
Nach einigem abwaegen empfand ich, dass der teuerste Bugatti im Geschaeft doch am bequemsten ist. Der Preis hat mich zwar in das Schwitzen gebracht, aber hey: Was nuetzt mir ein Mantel, der mir nicht passt und warum sollte ich ihn anziehen? Diese Frage konnte ich mir nicht beanworten und deswegen schritt ich energisch zur naechsten Kasse.
(Mit dem Gedanken, ich koennte diesen Mantel ja vielleicht einmal vorrangig den beruflichen Terminen zuordnen und an Silvester zu Hause lassen. Nicht, wie in der Vergangenheit geschehen…)
Dort angekommen sass eine kleine Verkaeuferin, mit komisch gefaerbten Haaren, die ich auch sogleich ansprach: “Kann ich den Mantel bei ihnen auch kuerzen lassen?”. Die Dame sprang flugs zu ihrem Schreibtisch, nahm eine Schere in die Hand, kam auf mich zu und fragte: “Wie kurz soll es denn sein?” … Ich versuchte ein freundliches Laecheln fuer diesen schlechten Witz aufzubringen und wartete eine ernsthafte Antwort ab.
Eine Aenderungschneiderei ist im Haus. Sie kann den Schneider hochrufen, ich kann aber auch runter in den zweiten Stock gehen, was ich doch bitte tun soll. Mein Blick wurde skeptisch. Die Preisauskunft war auch eher zweifelhaft, ein Kollege kam aber hinzu und erteilte Rat. Waehrend sie sich schon daran machte, den Mantel einzupacken, fragt ich, ob man den noch etwas an dem Preis machen koennte, oder zum Beispiel einen Schal kostenlos dazu legen koennte. Nein, nein, beteuerte die gute Dame. Den Schalt quittiert sie mit lachen. Sie sei sowieso nur die Kassiererin und koennte da nichts entscheiden, da muesste schon jemand anderes hier sein, ist aber niemand und da kann man ja sowieso nichts aendern. Mein Blick blieb skeptisch. Trotzdem bezahlte ich, wenngleich mir der Preis noch einmal teurer vorkam, als veranschlagt.
Nun kann man mich vielleicht tadeln, fuer mein Verhalten gegenueber der Kassiererin. Es sei aber bemerkt und bewundert, wie konsequent und mit welcher Entscheidungskraft ich diese Einkauf getaetigt habe. Ich hatte mich fuer einen Artikel entschieden. Ich wollte ihn haben. Da kann kommen wer will! Ein hoher Preis, eine miese Kassiererin. Ich trotze euch allen. Meine Entscheidung steht!
Wer mit mir einmal im Supermarkt einkaufen war, weiss, was fuer eine grandiose Leistung dies war. Und wir sprechen hier von keinem Grosseinkauf im Supermarkt, sondern sagen wir, nur von der Auswahl einer Flasche Schnaps.
Die Kassiererin wollte meine Errungenschaft nun gerade in eine Einkaufstuete packen, als der vorhin genannte Verkaeufer sich zu Wort meldete. Der Mantel wuerde ja doch ein wenig “weit” aussehen. Ob ich den keine kleinere Nummer gefunden haette? Wie gesagt, ich hatte JEDEN Mantel an, aber irgendwie nargte der Vorwurf nun doch an mir. Macht mich der Mantel dick? Fange ich jetzt an Eitel zu werden?
Wir schritten also zusammen zurueck in die Mantelabteilung. Der gute Mann war zum Glueck recht clever und begriff schnell und von alleine, was ich suchte. Ich fand es recht lustig, dass er genauso hilflos durch die Regale geschlendert ist, wie ich es getan hatte und ich ihm bei jedem Mantel, auf den er zeigte, gleich sagen konnte, wo das Problem liegt.
Trotzdem versuchte ich es wieder. Was tut man nicht alles, um nicht einen zu weiten Mantel zu besitzen? Ich probierte also hin und her. Der eine Mantel war zwar schon recht praktisch, aber man konnte in keinen so leicht reinspringen, wie in den Bugatti. Ja, ich schreibe immer noch ueber Maentel. Also musste ich einfach aussortieren und verblieb am Ende mit meinem “zu weiten” Topmodell, mit Blousoneinsatz (gegen den V-Ausschnitt) und einem normalen Mantel (ohne Blouson) der gleichen Marke, welcher mir aber besser passte.
Dabei stellte ich auch fest, dass die Kassiererin mir den Mantel fuer 30 Euro teurer verkauft hatte, als eigentlich mit Filzstift deklariert. Der Verkaeufer erklaerte, so etwas kann vorkommen, der Mantel wurde wohl wirklich verteuert, er wuerde mir aber den alten Preis geben. Ahja, liebenswuerdig.
In der folgenden halben Stunde, beschaeftigte ich mich jetzt damit, diese beiden Maentel abwechselnd an- und auszuziehen und mich vor dem Spiegel zu betrachten. Der Verkaeufer bedachte dies in den ersten Minuten noch mit fachlichen Kommentaren. Mir fallen leider gerade keine Beispiele ein, aber es war schon lustig. Ich konnte ihn dann irgendwann endlich verscheuchen. Er sah dann auch ein, dass es keinen Sinn hatte zu warten. Er fand den Mantel auch garnicht unmoeglich zu weit, schliesslich braucht man ja manchmal Platz fuer ein Jackett.
Verdammt. Hallo? Ich bin es, Matten. Ich mache mir nie Gedanken ueber mein Aussehen und Auftreten in der Oeffentlichkeit. Und ich stehe hier vor einem Spiegel und versuche herauszufinden, ob mir der eine Mantel wirklich zu weit ist?
Und… Ihr werdet es nicht glauben, aber ich habe schliesslich eine Entscheidung getroffen. Das zweite Mal an diesem Tag. Vielleicht wollte ich nur endlich eine Currywurst essen. Ja, dies koennte meine Entscheidung beeinflusst haben.
Ich habe mich fuer den besser passenden Mantel entschieden, welcher guenstiger war. Noch ein Schal obendrauf. Und jetzt sitze ich hier und bereue diese Entscheidung. Der Winter wird kommen und ich werde mir wieder eine Erkaeltung nach der anderen einfangen, weil ein V-Ausschnitt einfach nicht praktisch ist.
Ein kurzer Mantel fuer mich, aber ein langer Text fuer die Menschheit.
I-got-a-fear-in-me and I-cant-get-up.
( Today, I woke up crying. )
Memories-of-when, we-were-growing-up.
( Yesterday, we were flying. )
But-now-we-are-men and we-have-given-up.
( Tomorrow, we will be dying. )
But-Im-awake-again and I-can-not-pretend,
my silence is my violence!
Afraid-of – Tomorrow.
Afraid-of – Pain-and-Sorrow.
Afraid-of – Nothing-to-Follow.
Never we know, what comes tomorrow…
( Ima Robot – What Comes Tomorrow )